Die Erfolgsstory von Mario Ernst

Vom Azubi zum Chef

Auszug aus dem Magazin wirtschaft, herausgegeben von der IHK Arnsberg

Als Abiturient war Mario Ernst noch ein wenig orientierungslos, was seine Berufsausbildung betraf. Ein Studium sollte es werden. Doch dann kam alles ganz anders. Nach einer kaufmännischen Ausbildung stieg der heute 36-Jährige schließlich als geschäftsführender Gesellschafter bei seinem Ausbildungsbetrieb PIEL Die Technische Großhandlung GmbH in Soest ein. Denn er wollte vor allem eins: Verantwortung übernehmen und mitgestalten.

Statt eines Wirtschafts-,  Jura- oder Ingenieurstudiums sollte es nach Abitur und Bundeswehrzeit für Mario Ernst die Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel sein. 1997 startete der junge Mann aus dem Möhnetal  bei PIEL, und  nur  wenige Monate später diskutierte die Geschäftsführung  bereits darüber, wie man den noch frischen Azubi dauerhaft  halten könne.

Mario Ernst schloss seiner Ausbildung 1998 eine Weiterbildung zum Betriebswirt (VWA) an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hellweg-Sauerland an und begann, gemeinsam mit Michael Hoischen die Großkundenabteilung aufzubauen. Heute ist das Unternehmen mit Standorten in Soest, Eisenhüttenstadt, Dresden und Faaborg (Dänemark)  deutsch- landweit aktiv. Das Portfolio des Vollsortimenters erstreckt sich über Werkzeuge,  Antriebstechnik  und Betriebseinrichtung über Arbeits-, Umweltschutzprodukte, Betriebshygiene und Antriebs- technik bis zu Dienstleistungen  wie dem Safety-Check, bei dem PIEL den individuellen  Bedarf des Kunden bei der Persönlichen Schutzausrüstung für Mitarbeiter ermittelt, berät und Lösungen umsetzt.

Den eigenen  Weg aktiv gestalten

Für Mario Ernst wurde in der Zeit, in der er als Angestellter bei PIEL tätig war, eines klar: „Ich habe meine Aufgabe darin gesehen, Verantwortung zu übernehmen.“ Gleichzeitig musste das Unternehmen sich auf die Herausforderung vorbereiten, eine Nachfolgeregelung für Michael Hoischen zu treffen, der zusammen  mit Heinz-Helmut und Michael Piel geschäftsführender Gesellschafter war. Für Mario Ernst war der Schritt heraus aus dem Angestelltenverhältnis hinein in die Selbstständigkeit nichts, was ihm Sorgen bereitet hätte. „Ich habe keine Komfortzone verlassen, sondern die Möglichkeit genutzt, meinen eigenen Weg aktiv selbst zu gestalten“, sagt der 36-Jährige. Er benutzt ungerne Formulierungen wie „Unternehmer kommt von unternehmen“ oder benennt Charaktereigenschaften wie Willensstärke, Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit, die einen Selbstständigen auszeichnen. Doch er fügt schmunzelnd an: Genau diese schreibt er sich selbst zu. Das und der Spaß daran, einen Betrieb aktiv mitzugestalten und in die Zukunft zu führen.
Mit Unterstützung Werner Pommerenings vom Senior-Beratungs-Service der IHK nahm der Kaufmann im Groß- und Außenhandel seine Existenzgründung in Angriff. Und die, sagt der 36-Jährige rückblickend, sei im Großen und Ganzen problemlos verlaufen: das betrifft sowohl die Vorbereitung - zum Beispiel die Erstellung des Businessplans - als auch die Gespräche mit den Hausbanken. Am 1. Januar 2011 war es schließlich soweit: Mario Ernst übernahm die Firmenanteile von Michael Hoischen. Der wiederum verließ erst zum 31. Dezember 2012 PIEL endgültig, sodass ausscheidender Gesellschafter und Nachfolger genug Zeit für die Übergabe hatten. „Das“, sagt Mario Ernst, „war super.“

Zweifel an seiner Entscheidung hatte Ernst nie. Ganz im Gegenteil: „Die Branche ist sehr interessant.“ Und die Arbeit bislang von Erfolg gekrönt: Nach der Neuaufstellung des Vertriebes mit klarem Kundenfokus in der Krise 2009, konnte in den Folgejahren eine kräftige Erholung bis zum Rekordumsatzjahr 2012 erreicht werden.  Insgesamt habe sich der Betrieb neu aufgestellt, berichtet Mario Ernst. Dazu gehörte die Wissens- und Schulungsoffensive für Mitarbeiter ebenso wie die Reduzierung der Verkaufsfläche auf ein Drittel, da die Technische Großhandlung 98 Prozent des Umsatzes mit der Industrie erzielt.

Lernen für den Führungsjob

Trotz der Erfolge: Der Existenzgründer Mario Ernst musste als Chef auch lernen. Er ist in dem Unternehmen verantwortlich für Einkauf und Verkauf. Zudem teilt er sich mit Michael Piel die Bereiche Logistik und Personal.  „Wir sind ein Familienbetrieb mit 105 Mitarbeitern und flachen Hierarchien“, sagt Mario Ernst. „Unsere Türen stehen immer für jeden offen. Das heißt aber auch: Es kommt jeder.“ Der 36-Jährige musste erkennen, dass er den Aufwand der Personalarbeit zu Anfang unterschätzt hatte. Als Chef aber müsse man alles im Blick haben, eben auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter, ihre Sorgen und Probleme – und hin und wieder müssten auch interne Nebenschauplätze beruhigt werden. „Damit verdienen sie kurzfristig keinen Euro. Aber es ist eine der wichtigsten  Aufgaben für langfristigen Unternehmenserfolg.“ Um Herausforderungen wie diese zu meistern, hat sich Mario Ernst weitergebildet, auch im kaufmännischen Bereich.

Die größte Herausforderung als Selbstständiger aber sieht der dreifache Vater bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zwar sei er als geschäftsführender Gesellschafter nicht mehr ganz so viel unterwegs wie er es als PIEL-Großkundenverantwortlicher und Leiter des Außendienstes am Standort Soest gewesen ist. Von geregelten Arbeitszeiten ist Ernst dennoch weit entfernt. Er versucht, berichtet er, abends pünktlich zu Hause zu sein, um seine Kinder (7 Monate, 22 Monate und 3,5 Jahre) mit einer Geschichte ins Bett zu bringen.  Dafür sitzt er be-reits morgens um 6 Uhr an seinem Schreibtisch. Und nimmt am Abend oder Wochenende Arbeit mit nach Hause. Doch wenn die Gute-Nacht-Geschichte wegen einer Dienstreise ins Wasser fällt und ihn seine älteste Tochter nach dem Grund fragt und ihn darauf hinweist, dass das wichtigste Geschäft Zuhause sei, dann wird Mario Ernst sich dieser Herausforderung besonders bewusst.

Auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft

Seine Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, bereut der Unternehmer nicht. „Ich konnte schon immer frei arbeiten und war kreativ. Und genau das kann ich jetzt umsetzen und die PIEL-Kollegen dabei einbinden.“ Sein Ziel ist es, den seit 95 Jahren bestehenden Familienbetrieb in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. „Dafür stellen wir den Kundennutzen in den Mittelpunkt und müssen immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen bleiben.“

Voraussetzung zur kaufmännischen Ausbildung bei PIEL ist mindestens die Fachoberschulreife oder der Realschulabschluss. Neben der praktischen Ausbildung im Betrieb, findet der Theorieteil am Hubertus-Schwartz-Berufskolleg statt. Michael Piel: „Die innerbetrieblichen Arbeitsabläufe werden im Tagesgeschehen vermittelt, durch allgemeine Schulungen und durch Produkt-Seminare. Wer bei uns seine Ausbildung beginnt, arbeitet vom ersten Tag an mit, ist voll integrierter Teil eines Teams im Unternehmen. Die jungen Leute wollen gefordert werden – und wir fordern sie auch.“

Drei Jahre dauert nicht nur die kaufmännische Ausbildung, „drei Jahre braucht man auch, damit man genau weiß, wer PIEL ist, was wir verkaufen, wie unser Unternehmen funktioniert.“ Wer die Ausbildung bei PIEL durchlaufen hat, hat also neben fundiertem Praxiswissen beste Aussichten auf eine Karriere im Unternehmen. Fortbildungsmöglichkeiten im eigenen Haus oder bei der IHK werden unterstützt und runden die Zukunftsperspektive bei PIEL ab